Östlich der Isar, entlang der Odinstraße, abseits der ausgetretenen Wege hinter dem Krankenhaus Bogenhausen, befindet sich der Wotanshain. Man sagt, dass dieses bewaldete und dichte Wäldchen die letzten Überreste des Prielwaldes sind. Dieser Wald gehörte einst zum Gut Küntal, das im Jahr 903 von Ludwig dem Kind, dem letzten karolingischen König des Ostfrankenreiches, dem Bischof von Freising übergeben wurde. Wie die meisten deutschen geistlichen Fürstentümer wurde auch Freising zu Beginn des 19. Jahrhunderts säkularisiert, seine Besitztümer wurden verkauft und der Wald später abgeholzt. Ab 1810 begann in diesem Gebiet der großflächige Tonabbau, und es wurden mehrere Ziegeleien errichtet, von denen eine Anton Höchl gehörte, der sie 1838 von seinem Vater erbte. Die Wotanskulptur wurde 1871 von Höchl in Auftrag gegeben und 1873 von Heinrich Natter fertiggestellt. Noch im selben Jahr wurde sie auf der Weltausstellung in Wien präsentiert, bevor sie 1874 schließlich auf einem steinernen Sockel an ihrem heutigen Standort errichtet wurde, wo sie sich bis heute befindet.

Die Zeit ist mit der Wotanskulptur nicht gnädig umgegangen; der Kelheimer Marmor ist im Laufe der Jahre durch Wind und Regen stark erodiert. Die Hörner seines Helmes, sein rechter Arm und sein Speer Gungnir fehlen, vermutlich im Verlauf des Krieges beschädigt. An dem Tag, an dem ich die Statue besuchte, war es ziemlich düster und regnerisch, sodass die Qualität des Fotos nicht die beste war. Das vierte Bild stammt aus der Illustrierten Zeitung vom 3. Januar 1874, damit man sich besser vorstellen kann, wie sie früher aussah. Wenn man unter der kolossalen Statue steht, kann man nicht anders, als von einem intensiven Gefühl der Ehrfurcht und Einschüchterung ergriffen zu werden. Es war eine surreale Erfahrung, die jedoch nicht lange anhielt, da ich von meinem Ausflug dorthin bereits völlig durchnässt war. Vielleicht kehre ich bald zurück und bringe dem Allvater eine Metspende dar.